Samstag, 8. Juni 2019

Der Veda und die spirituelle Wendezeit / die Asuras - gefallene Engel


 
Der Veda und die spirituelle Wendezeit 

Auszug:

 
In Friedrich Hölderlins Patmos heißt es: »Nah ist // Und schwer zu fassen der Gott. // Wo aber Gefahr ist, wächst // das Rettende auch.« Sehen wir uns um, scheint es, als hätte Hölderlin über das 21. Jahrhundert geschrieben – eine Zeit, in der sich Jugendliche Chips unter die Haut pflanzen lassen, weil es ‚cool‘ ist, und die schleichende Abschaffung des Individualverkehrs vom Jubel der Massen begleitet wird. Hölderlins Worte, so könnte man meinen, nehmen jenen Zeitgeist vorweg, durch den sich der Mensch von bezopften Klima-Ikonen in eine Art Ablasshandel 2.0 hetzen lässt und Upload-Filter darüber bestimmen, wessen Meinung frei ist, während im Zuge sogenannter Gesangswettbewerbe Millionen von Menschen unverhohlen gezeigt wird, welch satanische Kräfte auf die Erde einwirken. In einer solchen Welt scheint das Göttliche in der Tat schwer zu fassen.
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch! Eine stetig wachsende Zahl an Menschen ist nicht länger gewillt, sich von toten Tierkadavern zu ernähren und baut im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst Gemüse an. Manche arbeiten freiwillig weniger und entfalten ihre Talente und Interessen abseits der unfreiwilligen Dienstbarkeit. Und andere wiederum verschenken ihr Fernsehgerät und beginnen zu meditieren oder sich mit Naturheilkunde zu befassen. In all dem retten sie die Welt – nicht weil es ihre bewusste Absicht ist, sondern weil ihr verändertes Sein auf andere Menschen im besten Sinn ansteckend wirkt. Gefahr und Rettung gehen in der Tat Hand in Hand! Dies gilt insbesondere für die spirituelle Wendezeit, deren Zeuge wir tagtäglich sind. So chaotisch, verstörend und sinnlos diese Wendezeit auch erscheinen mag, aus vedischer Sicht kommt in ihr der göttliche Sinn so zum Ausdruck wie zu kaum einer anderen Zeit. Der altindische Veda kann uns dabei helfen, genau das – innerhalb der Grenzen des menschlichen Verstandes – zu erkennen.

Der Veda und das multidimensionale Shopping-Center
»Veda« kommt aus dem Sanskrit und bedeutet »das Geschaute«. Damit ist eine Art von Wissen gemeint, das unabhängig von Raum und Zeit existiert; ein Wissen, das über die nationalen und kulturellen Grenzen Indiens hinweg Bedeutung hat. Man könnte den Veda auch als ein ganzheitliches, zeitloses Ur-Wissen bezeichnen – das Wissen über die Realität hinter allen Erscheinungen. Zu den Schlüsseltexten, in denen dieses Wissen vermittelt wird, zählen neben anderen die Upanishaden, die Puranas sowie die Bhagavad-Gita, die wohl bekannteste Schrift des Vedas. Der größte Teil der vedischen Schriften ist in der Zeit um 1.200 bis 900 vor der Zeitrechnung entstanden. Es handelt sich also um Wissen, das seit rund dreitausend Jahren in schriftlicher Form vorliegt, mündlich allerdings schon viel länger tradiert wird.
Um sich den Veda zu erschließen, ist ein Verständnis der vedischen Kosmologie unabdingbar. »Am Anfang war nicht ein Ur-Knall von Materie, sondern ein Ur-Sprung von Bewusstsein.« Dieser Ausspruch geht auf den Schweizer Veda-Experten Armin Risi zurück. Laut Veda ist der Kosmos also nicht das Produkt eines Zufalls, wie die westliche Wissenschaft zu wissen meint – der Kosmos ist von einem bewussten Schöpfer erschaffen worden. Dieses Schöpferwesen nennt der Veda »Brahma«. Als Weltbaumeister war es die Aufgabe Brahmas, stufenweise jene Dimensionsebenen zu materialisieren, aus denen der Kosmos laut vedischer Auffassung besteht. Wir leben mit anderen Worten in einem multidimensionalen Kosmos.
Während Brahma die verschiedenen Dimensionen erschafft, passiert jedoch etwas Entscheidendes: Es kommt zur Trennung der Entwicklungsstufen, indem die ersten Lichtwesen der sogenannten Asura-Mentalität verfallen. Einzelne Lichtwesen spalten sich von der von Brahma geschaffenen Ordnung ab und fallen damit aus dem Licht in die Dunkelheit. Der vedische Schöpfungsmythos spricht an dieser Stelle von sieben lichtvollen Dimensionen, den »Lokas«, und sieben dunklen Dimensionen, den »Talas«. Laut Veda befindet sich die Erde mittendrin, weshalb sich Einflüsse sowohl aus den Licht- wie aus den Schattenwelten bemerkbar machen. Oder wie Armin Risi sagt: »Die Erde ist wie ein mehrstöckiges Shopping-Center, in dem die ganze Vielfalt an positiven wie negativen Angeboten vorhanden ist.«
Die Welt der Asuras
»Sura« steht im Sanskrit für Lichtwesen. »Asura« ist die Verneinung davon und bezieht sich demnach auf Lichtgegner. Die Lichtwesen agieren gottzugewandt. Sie sind sich dessen bewusst, dass sie ein ewiger Teil Gottes sind. Die Asuras hingegen agieren gottabgewandt. Sie wollen sich, wie angedeutet, der göttlichen Ordnung nicht unterordnen, sondern ihre eigene Welt erschaffen und selbst Gott spielen. Die Asuras sind also nichts anderes als die gefallenen Engel, von denen in Mythologien und Mysterienschulen die Rede ist, und von denen man in der Bibel genauso liest wie in den Apokryphen oder im Koran – nur unter anderem Namen.
Im Kali-Yuga, auch das Zeitalter der Spaltung genannt (dazu gleich mehr), nimmt der Einfluss der Asuras auf der Erde stetig zu. Sie wirken nicht nur indirekt auf das Geschehen auf der Erde ein, nämlich aus den dunklen Astralbereichen. Das Kali-Yuga stellt jenes Zeitfenster dar, in dem die höchstrangigen Asuras auf der Erde inkarnieren. Dadurch können sie den Verlauf der Menschheit direkt beeinflussen. Dabei inkarnieren sie bevorzugt in den immer gleichen Kreisen und Blutlinien. Dass die Asuras ausgerechnet im Kali-Yuga so stark werden, folgt einer einfachen Logik: Das Zeitalter der Spaltung zieht Wesen an, die sich von der Quelle abgespalten haben.
Der inkarnierte Teil der Asura-Wesen lässt sich gerne in den höchsten Rängen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nieder. Asuras finden sich in NGOs, Denkfabriken und Stiftungen genauso wie sie im Vorstand multinationaler Konzerne, den Treffen der Bilderberger oder der Atlantik-Brücke sitzen. Sie sind nicht selten bewunderte Philanthropen, die von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten reden. Die sieben dunklen Dimensionen aus denen sie stammen, werden im Veda auch »Spiegelsphären« genannt. Daher entspricht es ihrem Wesen, dass alles, was sie tun und sagen, spiegelverkehrt ist. So predigen sie Weltfrieden und fördern Krieg. Sie sprechen von »Öko«, »Bio« und »nachhaltig« und haben keine Skrupel, die Natur zu zerstören. Sie sagen, die Gleichstellung aller Menschen wäre ihnen ein Anliegen. In Wirklichkeit wollen sie die Vielfalt des Lebens eliminieren. Asuras sind wahrlich Meister des Orwell-Sprechs!
Midgardschlange am Rand der WeltIhr Ziel ist: Planet plus Inventar. Doch anstelle eines großen Raubzugs und der Versklavung des Menschen mittels Gewalt wollen die Asuras, dass sich der Mensch ihren Plänen aus freien Stücken unterwirft. Ihr Modus Operandi ist deshalb die Manipulation. Sowohl von der astralen als auch auf der irdischen Ebene wirken die Asura-Wesen dergestalt auf den Menschen ein, dass er ihren Interessen dient, ohne es zu merken. Der Mensch soll wollen, was die Asuras wollen. So verführen sie ihn beispielsweise dazu, Dinge zu tun, die seinem Wohl schaden. Stichwort: Alkohol und Drogen. Sie verblenden ihn mit materiellen Besitztümern. Sie triggern sein Ego, sodass er sich überhebt und Dinge tut, die er im bewussten Zustand keinesfalls tun würde. Oder sie bringen ihn mit Falschinformationen und Halbwahrheiten dazu, Umstände energetisch zu versorgen, die besser unversorgt bleiben. Vor allem aber arbeiten die Asuras mit dem, was im Veda »Māyā« genannt wird. Māyā bedeutet Illusion und meint die Identifikation mit vergänglicher Form. Die Asuras verleiten den Menschen also dazu, sich mit seinem Körper, seinem Haus oder einem Fußballverein zu identifizieren. Auf diese Weise lenken sie ihn vom Erkennen seiner wahren Identität abseits der Form ab; eine Identität, die reines Sein ist, die ewig ist und wie Gott schon immer war und immer sein wird. Nichts fürchten die Asuras mehr, als dass sich der Mensch wieder als ein göttliches Schöpferwesen begreift.
Das Kali-Yuga und die Rückkehr des Dharmas
Der altindische Veda zeichnet sich nicht nur durch Schilderungen zum Aufbau des Kosmos und der Wesen im Kosmos aus. Es ist die vedische Auffassung von Zeit, die den Veda heute so attraktiv macht. Im Veda wird Zeit nämlich nicht linear sondern zyklisch verstanden. Mit anderen Worten: Gewisse Urmuster wiederholen sich, genauso wie gewisse archetypische Figuren in den verschiedensten Gewändern immer wieder auftauchen – eben zyklisch, nur jedes Mal auf einem ‚höheren‘ Niveau. Grundlegende Konstellationen und Konflikte schrauben sich quasi wie auf einer Spirale nach oben. Das Ergebnis nennt sich Menschheitsgeschichte.
Das vedische Mysterienwissen kennt mehrere Über- und Unterzyklen. Allerdings stehen vier Zyklen im Mittelpunkt. Der ursprüngliche Zyklus heißt Satya-Yuga. »Yuga« steht im Sanskrit für Zeitalter. Das Satya-Yuga ist das vielzitierte goldene Zeitalter. In diesem Zyklus herrscht ein ausgeprägtes Gottesbewusstsein und die Spiritualität der Menschen ist hoch. Sie kennen keine Kriege und verfügen über – aus heutiger Sicht – paranormale Fähigkeiten wie etwa Telepathie oder Telekinese. Mit jedem auf das Satya-Yuga folgenden Zyklus nimmt die Spiritualität der Menschen, auch Dharma genannt, ab. Im Treta-Yuga herrscht der Dharma immerhin noch zu drei Viertel vor, während er im Dvapara-Yuga schon nur mehr zur Hälfte vorhanden ist. Im vierten und letzten Zyklus, dem bereits erwähnten Kali-Yuga, ist die Spiritualität der Menschen auf ein Viertel reduziert, bevor diese dann wieder in ihre volle Kraft und die Menschheit ins goldene Satya-Yuga zurückkehrt.
Alter LeuchtturmDer eben genannte Dharma wird im Veda als Stier sinnbildlich dargestellt. Seine Beine stehen für Losgelöstheit, Reinheit, Achtung vor allen Lebewesen und Wahrhaftigkeit. Mit dem Ende eines jeden Yugas verliert der Stier jedoch ein Bein, sodass mit Beginn des dunklen Kali-Yugas nur mehr die Wahrhaftigkeit vorhanden ist. Dies ist auch der Grund, warum mit Ende des Kali-Yugas alles Wahre und Wahrhaftige so vehement bekämpft wird. Die Asuras sind eng mit dem Kali-Yuga verknüpft, repräsentieren sie doch im Individuellen das, was der dunkle Zyklus als energetischer Überbau darstellt: Spaltung. Im Kali-Yuga wird mit anderen Worten die natürliche, kosmische Ordnung gestört, indem man das ursprünglich Ganze in Fragmente aufspaltet und in weiterer Folge die Verbindung zum Ursprünglichen schwächt. Nach vedischer Zeitrechnung hat das Kali-Yuga 3.102 vor der Zeitrechnung begonnen und zeichnet sich durch eine energetische Grundversorgung aus, die in Form von Manipulation, Heuchelei und Projektion genauso zum Ausdruck kommt wie durch Krieg und Gewalt. Das dunkle Kali-Yuga ist praktisch die Leinwand, auf der sich die Asuras austoben dürfen – allerdings nicht mehr allzu lange. Das Kali-Yuga steuert auf sein Ende zu und mit ihm nähern sich die asurischen Wesen ihrem natürlichen und definitiven Verfallsdatum.
Yuga-Sāndhya: Mittendrin, statt nur dabei
Eingangs war von der gleichzeitigen Existenz bezopfter Galionsfiguren und bewusster Ernährung, von verchippten Bio-Robotern und der Befreiung von der Bewusstseinskontrolle der Medien die Rede. Dieser Parallelismus von Licht und Schatten ist Ausdruck der spirituellen Wendezeit, des Übergangs vom dunklen Kali-Yuga zum lichtvollen Satya-Yuga. Im Veda wird dafür der Begriff »Yuga-Sāndhya« (Übergangszeitalter) gebraucht. »Sāndhya« meint jedoch nicht nur Übergang, sondern auch Dämmerung. Und genauso mag sich der Übergang phasenweise auch anfühlen.
Licht und Schatten waren immer schon ein Teil der Dualität auf Erden. Aber was wir seit einigen Jahren spüren und in der Außenwelt beobachten können, ist die Zuspitzung der dualen Anteile. Mit dem Ende des Kali-Yugas kehrt die Erinnerung an die eigene Göttlichkeit zurück. Je mehr der Dharma jedoch wieder Einzug in das Leben der Menschen hält, umso enger ziehen die asurischen Einflüsse die Schlinge, in der Hoffnung, das Ablaufdatum ihrer Herrschaft noch ein wenig hinauszuzögern. Das ist auch alles, was sie noch tun können. Aufhalten können sie die Rückkehr ins goldene Zeitalter nicht. Der Stier mag nur mehr ein Bein haben und stark ins Wanken geraten, umfallen wird er dennoch nicht. Mit der Abspaltung der Asuras, wie wir im Veda erfahren, ist nämlich zugleich ein Plan für die Rettung der Welt geboren worden. Denn wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. In der geistigen Welt ist die energetische Schubumkehr und die Rückkehr des Dharmas in seinem vollen Umfang bereits beschlossen. Es dauert nur, wie auch Christa Laib-Jasinski nicht müde wird zu betonen, bis sich der geistige Beschluss im irdischen Verdichtungsstrudel manifestiert. Ja, wir leben in herausfordernden, manchmal sogar sehr aufreibenden Zeiten. Aber die Auseinandersetzung mit dem Veda kann eine Hilfestellung sein, um in scheinbar so verrückten Zeiten wie diesen nicht nur die Ruhe zu bewahren sondern sich daran zu erinnern, dass ohnehin alles genau so geschieht, wie es geschehen soll. Die Drehbücher zum göttlichen Spiel namens »Lila« sind längst geschrieben.
© Mario Rader

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